LITERATURKURS GYM. 13 2000/2001

Inhalt
-

Verfassen von Elfchen zu Farbadjektiven
| Blau |
Rot |
| Welch Tiefe |
Viel Blut |
| So geheimnisvoll |
Auf der Straße |
| Gleichzeitig so
beruhigend eben |
Er hatte einen Unfall |
| Blau |
Tod |
| |
|
| (B. Türk) |
(S. Wagner) |
| |
|
| Grün |
Blau |
| Ist Hoffnung |
Der Ozean |
| Schafft positives Denken |
Stehe am Strand |
| Bin mit mir zufrieden |
Blick in die Ferne |
| Lebe |
Urlaub |
| |
|
| (T. Schroer) |
(K. Kotzem) |
| |
|
| Blau |
Schwarz |
| Der Ozean |
Nichts sehen |
| Stehe am Strand |
Niemand weiß es |
| Blick in die Ferne |
Alles muss geheim bleiben |
| Urlaub |
Lüge |
| |
|
| (C. Hoffmann) |
(A. Wiegard) |
| |
|
| Blau |
Traum |
| Mein Ort |
Mein Traum |
| In den Alpen |
Lebe deinen Traum |
| Wasserfall hinter dem
Haus |
Ich lebe meinen
Traum |
| Schweiz |
Traumwerkstatt |
| |
|
| (C. Hoffmann) |
(C. Hoffmann) |

Haikus
Leise weht der Wind
immer schneller und schneller
bis zur Zerstörung.
(A. Wiegard)
Nur in Gedanken
sehe ich diesen Ort noch.
Ich bin auf dem Weg.
(A. Türk)
Sonnenuntergang
Wieder die Ruhe des Meers.
Zerstören Leben.
(B. Hoffmann)
Es ist nur so kalt
da friert ja jeder Frosch
und will zur Sonne.
(A. Ramspott)
| Rosen und Nelken |
Vielfarbener Herbst |
| blühn in ihrer ganzen Pracht. |
schönste der Jahreszeiten |
| Ich steh vor dem Gras. |
trotz der Melancholie. |
|
|
| (K. Kotzem) |
(S. Wagner) |

Gedichte nach dem Erstellen eines
Ideensterns
Weihnachtszeit
Weihnachtszeit
Stille Zeit!
Überall bunte Lichterblitzen,
durch die Straßen Menschen flitzen.
Auf und ab
durch die Stadt
Geschenke suchen
und nicht finden
Zeitdruck
und sich durch Geschäfte schinden.
Geld ausgeben ohne Sinn
Weihnacht nicht im Herzen drin
Unzufriedenheit unterm Weihnachtsbaum
ist denn alles nur ein Traum?
Weihnachtszeit
Stille Zeit???
(A. Ramspott)
Advent
Die Adventszeit naht mit großen Schritten heran,
in den Regalen gibt's Naschwerk für jedermann;
Tannengrün und Weihnachtsschmuck sind die größte Zier,
da hängt auch ein Mistelzweig mit Schleife an der Tür;
ich schau aus meinem Fenster in die Stadt,
die jedes Jahr noch mehr Kitsch zu bieten hat;
sie glänzt im schönsten Lichterschein,
wie das größte Meer aus Edelstein.
Weihnachtsstern und Lichterpyramide stehen auf meinem Fensterbrette,
ich seh sie an und kenne keinen, der sie nicht in diesen Tagen hätte;
nicht nur in Kirchen erstrahlen in vollem Glanz die Kerzen,
auch am Adventskranz erwärmen sie die Herzen.
Auch den Weihnachtsmarkt kann man besuchen,
zwischen dem Einkaufen auch mal Crêpes essen oder Reibekuchen;
Weihnachtsgeschenke werden schon fleißig ausgesucht,
während der Geschäftsmann seine ersten Weihnachtseinnahmen verbucht;
ich trink mir einen Glühwein und gehe dann wieder,
von fern ertönen noch die Weihnachtslieder
Zuhause angekommen rieche ich noch den weihnachtlichen Duft,
das ist kein Wunder, er liegt in diesen Tagen überall in der Luft;
ich sitze am Kamin und höre das Feuer knistern,
draußen der leichte Wind, als würde er etwas flüstern.
Am nächsten Morgen bin ich für die Schule bereit,
es ist ganz schön kalt, und über Nacht hat' s geschneit;
auf dem Schulweg geh ich vorbei an weißen Baumspitzen,
die Kinder sind dick angezogen, mit Handschuhen und Mützen.
Nachmittags trifft man sich zum Schlittenfahrn und zur
Schneeballschlacht,
alle haben Spaß und Hauptsache im Schnee wir etwas gemacht;
die Mütter backen die ersten Leckereien,
darauf werden sich die Kinder ganz besonders freuen.
Der Adventskalender zeigt uns an, wie lange wir noch warten müssen,
für die Kleinen ist er ideal, denn sie wollen alles ganz genau wissen;
wenn die Kläppchen offen und die Schokoladen rausgegesssen sind,
dann ist überall Bescherung vom Christkind;
das ganze Jahr hat man die Kirche nur von außen gesehen,
doch Heiligabend ruft die Pflicht und man muss doch in die Christmette
gehen.
Advent und Weihnacht sind in der besinnlichen Zeit,
nutze sie aus, und der Stress weicht der Freud!
(K. Kotzem)
Kind sein
Kind sein
Bedeutet leben ohne Schein.
Frei und unbefangen,
ohne Angst und Bangen.
Uneingeschränkt sagen,
was man denkt.
Keine Sorgen,
kein was ist morgen.
Sie kennen nur hier und jetzt
Nicht von den Rädern des Lebens gehetzt
Kennen sie keine Zeit,
denn ihr Weg des Lebens ist noch sehr weit.
Sie entdecken vieles neu
mit ihren Sinnen
Wir sollten auch mal unserer Welt entrinnen,
einfach wieder Kind sein,
ohne Schein.
(S. Wagner)
Anfang-Ende
Ist es die Freude,
die uns glücklich
sein lässt?
Ist es die Sonne,
die uns lachen
lässt?
Ist es der Regen,
der uns traurig
sein lässt?
Ist es der Frühling,
der uns lieben
lässt?
Ist es der Sommer,
der uns fröhlich
sein lässt?
Ist es der Herbst,
der uns uns einsam fühlen
lässt?
Ist es der Winter,
der uns frieren
lässt?
Nein, es sind
unsere Gefühle
und Gedanken,
die uns leben lassen!
Trauminsel
Trauminsel- ich schreibe dir ein Liebesgedicht.
Du strahlst voller Glanz und Lebendigkeit
Wälder, Wiesen, Strände, Meer
Und vieles mehr.
Sie alle unterstreichen deine Schönheit.
Trauminsel- ich schreibe dir ein Liebesgedicht.
Bist für mich grüne Hoffnung in der Ferne.
Denke oft an vergangene Tage
Und dabei denk ich an dich und sage:
Schau hinauf und wir sehen gemeinsam die Sterne.
(T. Schroer)
Im Schatten meines Angesichts,
verschüttet unter Lügen,
verbirgt sie sich ganz unscheinbar,
sie ist ein Teil von mir.
Sie lauert, wächst mit jedem Tag,
sie nimmt mir den Verstand,
ich kann nicht sehen mein Gesicht,
der Spiegel ist mein Feind.
Kann nicht mehr denken, nicht mehr handeln,
Wie gelähmt von ihr,
ganz unscheinbar,
bin ich ein Teil von ihr.
Ich wünsch nur eins,
den Tod mir sehr,
nur er kann mich befrei'n ,
denn sie ist es, die mich zerstört:
Meine Angst in mir.
(A. Wiegard)

Die letzten Worte einfacher Menschen
Wozu dieser Apfel auf meinem Kopf, Vater?
Schau, Yoshi! Ein Flugzeug...(6. August 1945-Hiroshima)
Baden Sie immer Ihre Gäste? Aber wozu das Salz?
Keine Sorge, hier gibt's keine Haie!
Glaubst du, man kriegt diese Kurve noch mit 200?
Nur über meine Leiche!
Das Wasser ist tief genug, du kannst ruhig springen!
Meine Güte, riecht's hier nach Gas. Und wie dunkel es hier ist...
Mein Beatmungsgerät läuft unter Windows 98!!!
Schau dir den an! Der sammelt die Beeren in einem Pelzmantel.
Keine Sorge, meine Frau ist nicht zu Hause...
Leute, ich hab' sechs richtige im Lotto, und hier ist der Gewinn!
Was habe ich getrunken? (Sokrates)
OK Jungs, jetzt zeigen wir's ihnen!...Jungs?
Hmm. Harlem ist gar nicht so schlimm wie man sagt.
Aber Schatz, warum sollte ein Brief ticken?
Ich habe noch Luft für eine Viertelstunde...
Aber natürlich schaffe ich das Abitur!
(B. Türk)

Verfassen von Sonetten
Voll Trauer saß sie auf der Mauer,
so wie Kinder sind,
und dann beginnt geschwind
der Schauer rauer.
Ihr Leben ist im Regen,
gequält und nicht gewählt,
sie erzählt, er fehlt,
sie will den Segen erleben.
Amor liegt im Moor,
sie hat Angst davor,
zu klein ist der Wille.
Sie legt die Frage auf die Waage,
zählt die Lage der Tage,
auf Angst folgt Stille.
(C. Hoffmann)
Trauer
Eiskalt und einsam verspür ich die Trauer,
doch was hör ich plötzlich, es ist der Wind,
er pfeift um die Häuser und tanzt geschwind,
plötzlich der Regen, ein kräftiger Schauer.
Die Erde beginnt wieder neu zu leben,
der Boden, er wird nun ganz neu beseelt,
tagelang hat es ihm ja schon gefehlt,
das Wasser, es war ein dringender Segen.
Das Prasseln, das Heulen, es klingt mir im Ohr,
ich fühl mich ganz anders als noch kurz davor,
eigentlich war es ja gar nicht mein Wille.
Weg ist die Trauer und wenn ich's dir sage,
darauf gewartet hab ich viele Tage,
eigentlich wollt' ich viel lieber die Stille.
(A. Wiegard)
Ich hab dich verlorn, zu groß ist die Trauer,
in meinen Erinnerungen wir jetzt noch zusammen sind,
aber am Ende steht ein neuer Anfang, der beginnt,
trotzdem läuft mir über den Rücken ein eiskalter Schauer.
Aus einem ständigen auf und ab besteht unser Leben,
Freude und Liebe oder zum Schluss doch nur gequält?
Obwohl im Überfluss, merke ich, was mir fehlt,
doch wer kann es mir zurückgeben?
Mir kam alles so einfach vor,
niemand warnte uns davor,
es war dein Leben und dein eigener Wille.
Es wirft sich auf so manche Frage,
ich sehe mich in auswegloser Lage,
jetzt höre ich nur noch die Stille.
(K. Kotzem)
Gescheiterter Versuch
Nun sitze ich hier voller Trauer,
ein Gedicht soll ich schreiben,
zur Abwechslung mal was Sinnvolles treiben.
Ich wünscht, ich könnte es- und wäre schlauer.
Als wäre ich für diese Sprache blind,
und das bin ich, keine Frage,
glauben Sie mir, wenn ich das sage,
ich schreibe dümmliche Sätze wie ein Kind.
Moor, Ohr oder gar Amor,
ganz egal, welche Wörter ich sehe,
empfinden tue ich dabei nichts- eher
fühlt es sich an, als hörte ich sie noch nie bevor.
(B. Türk)

Kurzgeschichten, Thema
"Angst"
Angst
Endlich! Sie war Zuhause. Die Tür fiel ins Schloß und sie
stellte ihre Einkaufstaschen in der Küche ab. Alles war wie immer: Die
Jalousien halb heruntergezogen, die Zeitungen auf dem Tisch lagen immer
noch auf einem Stapel und der Hund sprang auch aus seinem Korb auf und
beschnupperte sie. Gut, dass sie ihn hatte. Dann fühlte sie sich nicht
so einsam in der Villa. Ihre Tante hatte sie ihr vererbt. Ob das so eine
gute Idee war, so alleine in dem großen Haus? Drei Stockwerke, auf
jedem mehr als zehn Zimmer und einen Dachboden. Aber den wollte sie gar
nicht erst sehen. Vielleicht wenn ihr Bruder vorbeikommt, sonst nicht.
Sie ging an den Schrank und holte das Hundefutter, füllte den Napf und
die Tränke auf.
Und da war es wieder! Dieses komische Gefühl. Es verfolgte sie schon
seit ihrem Umzug. Hier war doch niemand. Nur sie und der Hund. Sie
wollte einfach nur weg vor zwei Wochen. Raus aus der Stadt, weg von den
neugierigen Nachbarn und Abstand nehmen von ihrem Ex-Freund. Sie hatten
einfach zu wenig Zeit füreinander. Aber auch das war es nicht, was sie
fühlte. War außer Joschi und ihr denn noch wer im Haus? Nein, das
konnte nicht sein. Schließlich hätte er sich schon gemeldet. Wenn ein
fremder Geruch in der Luft lag. Da konnte sie sich auf sein Gespür
verlassen. Es war wirklich ihr bester Freund. Sie huschte ins
Schlafzimmer, zog sich ihre Turnschuhe an, schnappte sich ihre Jacke und
mit einem Pfiff stand auch schon Joschi neben ihr. "Erstmal joggen,
dann sehen wir weiter, ne?" Sie sprach mit dem Hund fast mehr als
mit ihren Arbeitskollegen. Sie liefen die Straße hoch in den Wald
hinein. Frische Herbstluft und das Gefühl von eben - weg. Kaum eine
halbe Stunde gelaufen, wurde ihr bewußt, wie verlassen die Gegend doch
ist. Die Villa ist am Ende der Stadt auf einer Anhöhe. Über ihr nur
noch Wald und bis zum nächsten Haus fährt man 5 Minuten mit dem Auto
den Berg hinab. Ob das die richtige Gegend für eine so junge, zierliche
Frau ist? Und hier im Wald; Schreie, die würde keiner hören. Der
Förster kommt auch nur einmal im halben Jahr hier vorbei. Sie hörte
ein Auto, aber kaum war das Geräusch da, war es wieder ruhig. Komisch,
die Autos, die am Stadtrand fahren hört man nicht bis hierher. Sie
verdrängte das Gehörte und sah keine 50m weit von ihr entfernt im
Busch eine Bewegung. Sie nahm den Tennisball aus ihrer Tasche und warf
ihn genau in den Busch. Joschi hechelte hinterher und aus dem Busch
sprangen: zwei Kinder. Noch mal Glück gehabt. "Was habt ihr denn
hier verloren?" fragte sie. "Wir spielen verstecken, damit uns
der große schlanke Mann mit dem komischen Hut nicht findet?"
"Komischer Hut?" "Ja ja. Er fuhr mit dem Auto hier hoch.
Einmal hat er uns schon weggejagt. Das Auto steht weiter oben. Wir haben
etwas gehört und dachten das wäre er gewesen, also haben wir uns
versteckt." Wer um himmelswillen hat hier im Wald etwas verloren
fragte sie sich. Die Kinder rannten Richtung Stadtrand und sie ging noch
ein Stück tiefer in den Wald. Da stand das Auto. Und ein paar Meter
weiter war ein Mann, der gerade dabei war... Ja, was machte er da
eigentlich. Es war schon dämmerig geworden und sie wollte nach Hause
aber jetzt war erstmal wichtig, was der Mann dort zu suchen hatte. Sie
hatte ihren Bernersennenhund dabei. Er war schon fast ausgewachsen und
gut bei Kräften. Sie fühlte sich ziemlich sich, wenn er bei ihr war.
Sie rief:"Hallo? Was machen Sie da? Kann ich Ihnen vielleicht
helfen?" Der Mann drehte sich um und kam auf sie zu. Er machte
einen netten Eindruck und ihr war nicht mehr ganz so unwohl. "Guten
abend junge Frau! Was führt Sie denn noch so spät hierher?"
"Ich jogge, aber was machen Sie eigentlich?" "Ich bin
Werner Neuhaus. Der neue Förster. Ich lege Köder aus für die Füchse.
Sie sollten ihren Hund an die Leine nehmen. Sie wissen ja, was passiert,
wenn er mir über den Weg läuft und nicht angeleint ist!"
"Ja, ja. Mache ich schon. Sie haben mich erschreckt. Ich habe den
Hund vorausschickt, um zu klären, was dort hinten im Gebüsch war, aber
es sind nur Kinder gewesen. Sonst ist hier nämlich niemand außer
meinem
Joschi und mir." "Der alte Förster hat alles ein bißchen
verkommen lassen. aber ich
werde hier öfter sein, also keine Angst. Ich habe nur ein größeres
Pflichtbewußtsein als mein Vorgänger. Ich bin sowieso fertig. Soll ich
Sie nach Hause bringen. Es ist schon fast dunkel." "Das ist
nett. Aber ich wohne in der Villa meiner verstorbenen Tante dort unten
am Stadtrand. Bis dort können Sie mich mitnehmen." "OK. Und
hier ist mein Dienstaus-weis, damit Sie mir auch glauben können."
Er nahm sie mit zu ihrer Villa und im nachhinein war sie froh, dass sie
nicht mehr alleine nach Hause laufen mußte. Eins wußte sie ganz gewiß.
So spät geht sie nicht mehr joggen. Und das mit der Villa wollte sie
sich auch noch überlegen. Es ist zwar schön idyllisch und ruhig, aber
auch ziemlich verlassen.
Einen Monat später sah die Sache ganz anders aus. Sie hatte einen
Mieter gefunden, der ebenfalls Single war und auch einen Hund hatte. Sie
verstanden sich ganz gut und ihr war es ganz angenehm als er sie fragte,
ob sie nicht zu viert joggen gehen sollten. Das paßte ihr ganz gut,
denn es war bekannt, das nicht nur der Förster im Wald unterwegs ist.
Sie fühlte sich nicht mehr einsam und noch sicherer und das war die
Hauptsache, denn zu zweit lebt es sich gar nicht mal so schlecht in der
Villa.
(K. Kotzem)
ANGST
Plötzlich schlug sie die Augen auf. Doch alles was
sie sehen konnte, war Dunkelheit.
Wo war sie? Was war mit ihr geschehen?
Alles war dunkel. Sie hielt sich die Hand vor's
Gesicht, doch konnte nichts erkennen. Sie bewegte ihren Kopf hastig hin
und her, in der Hoffnung etwas sehen zu können. Doch noch nicht einmal
das Licht eines Fensters konnte sie irgendwo erkennen. Sie konnte spüren,
wie ihr Puls anfing zu rasen und ihre Atmung hastiger und hastiger wurde.
Wo war sie nur; und was war mit ihr passiert?
Plötzlich bekam sie eine schreckliche Ahnung. Sie
fiel kurzzeitig in eine leichte Ohnmacht. Begann zu zucken, ihren Kopf wie
wild hin und her zu schmeißen und laut "Nein, nein" zu
schreien. Vor ihren Augen spielte sich eine furchtbare Erinnerung ab. Zwei
grell leuchtende Lichter kamen auf sie zugerast. Sie saß am Steuer ihres
Wagens und versuchte dem, was ihr entgegenkam verzweifelt auszuweichen.
Doch die Lichter bewegten sich von einer Straßenseite zur anderen. Sie
kamen immer näher und näher. Auf ihrer Stirn bildeten sich
Schweißtropfen. Sie konnte nichts anderes mehr tun, als sich krampfhaft
am Steuer festzuhalten und zu hoffen, dass alles gut ging. Da, plötzlich
ein lauter Knall. Sie spürte, dass viele kleine Glassplitter wie
Meteoriten in ihr Gesicht einschlugen. Es gab einen heftigen Stoß, als
das entgegenkommende Fahrzeug mit ihrem kollidierte. Der heftige Aufprall
hatte sie ohnmächtig werden lassen.
Da riss sie ihre Augen
wieder auf und schrie laut "NEIN". Ihr Puls raste wie verrückt
und sie zitterte am ganzen Leib. Doch mit Entsetzen musste sie
feststellen, dass sie immer noch in der tiefen Dunkelheit gefangen war.
Sie weinte, doch sie konnte nicht spüren, dass ihr die Tränen die Wange
herunterliefen. Sie nahm die Hände vors Gesicht. Alles war noch ganz
taub. Sie spürte eine weiche, ribbelige Substanz, die auf ihrer Haut lag.
Was war das ? Und was hatte man mit ihr angestellt ? Waren es vielleicht
Verbände und Mull ? War sie nun im Krankenhaus ?
Ja, es war Mull, der ihr Gesicht einhüllte und nun
ihre Tränen auffing und;
ja, sie war in einem Krankenhaus. Aber was das schlimmste war: sie war
blind!
Es gab keine andere Möglichkeit. Die Glassplitter
ihrer Windschutzscheibe hatten ihr das Augenlicht genommen.
Sie war blind, auch wenn sie es am liebsten nicht
hätte wahr haben wollen.
(A. Wiegard)
Vier Jahre. Vier Jahre voller Hoffnung, Leid und
Angst...
Kam gerade vom Zahnarzt. Es war ein schöner Tag, die Sonne schien, es war
nicht zu warm und nicht zu kalt.. Nun wollte ich meine Freundin Sarah
besuchen. Setzte mich in mein Auto und fuhr los. Drehte die Musik an.
Machte das Schiebedach auf. Genoß meine Freiheit. Der Weg zu Sarah
führte über die Bundesstraße 56. In meinen Gedanken war ich schon bei
Sarah und ihrer Hochzeit in drei Wochen. Wir wollten ihr Kleid kaufen. Wie
immer sang ich zur Musik laut mit. Als ob ich es geahnt hatte verlangsamte
ich meine Fahrt. Warum hatte ich ein so seltsames Gefühl? Was war los?
Ich machte mir Sorgen, doch warum? Es war doch nichts, oder? Als ich durch
eine Kurve kam wußte ich warum. Mir bot sich ein Bild des Grauens. Sofort
stoppte ich die Fahrt. Sprang aus dem Auto. Sah das Ausmaß dieses
Unfalls. Ein Auto war vor einen Baum gefahren. Rief die Rettung. Eilte zu
dem Wagen. Sah den Fahrer eingeklemmt. Er lebte, war bewußtlos. Wollte
ihn aus dem Wagen holen. Schaffte es nicht. Rannte auf die Fahrbahn.
Stoppte ein Auto. Der Fahrer rannte auch zu dem Wagen. Zu zweit konnten
wir den Verunglückten bergen. Wir legten ihn neben sein Auto. Begannen
mit der Reanimation. Hoffte es wäre nicht zu spät. Sah Blut auch aus dem
Mund laufen. Dachte nicht nach. Viermal Herzmassage, einmal beatmen. Ich
beatmete ihn. Die Rettung traf ein. Übernahm. War geschockt. Fuhr dennoch
zu Sarah.
Zwei Tage später rief die Polizei an. Solle eine Zeugenaussage machen auf
dem Revier. Fuhr hin. Erfuhr, daß der Fahrer HIV-positiv war. Verlor die
Nerven. Mir schossen Bilder durch den Kopf. Hatte ihn beatmet- er blutete.
Bekam Angst. Man versuchte mich zu beruhigen. Es wäre sicher nichts
passiert. Er habe doch keinen Flüssigkeitskontakt zu mir gehabt. Ich
bekam Panik. War sicher, daß ich mich infiziert hatte. War durcheinander.
Konnte nicht schlafen, nicht essen, nicht meiner Arbeit nachgehen. Verlor
diese. Konnte erst drei Monate später einen Test machen. War positiv.
Dachte an Selbstmord. Hatte Angst vor der Krankheit. Ich wollte nicht
sterben, ich wollte leben. Habe mir vorgenommen zu kämpfen. Dennoch
fühlte ich mich hilflos und allein.
Heute sind vier Jahre vergangen. Habe immer noch wahnsinnige Angst. Angst
vor dem qualvollen Tod und dem Weg dahin. Nur weil ich helfen wollte. Ich
werde meine Hilfe teuer bezahlen, denn ich werde bald sterben. Die Ärzte
geben mir noch maximal drei Monate, dann soll ich meinen Kampf verlieren.
Ich werde weiterkämpfen, auch wenn ich verlieren werde. Doch eigentlich
habe ich gewonnen, denn ich weiß zu welchen Gefühlen ein Mensch imstande
ist. Mußte lernen mit ihnen umzugehen. Weiß nicht, ob ich es geschafft
habe. Glaube nicht.
Ich werde auch die letzten drei Monate weiterkämpfen. Für mich habe ich
gesiegt, auch wenn ich verlieren werde.
Ich habe AIDS.
(C. Hoffmann)

Augenblickstexte
Augenblickstext
Ich spüre die kalte, dunkle Luft auf meiner Haut. Das
Fenster ist einen Spalt weit auf. Es riecht nach Blumen, Sonne und
Frühling. Ganz leise in der Ferne kann ich das Motorengeräusch der
Autobahn hören.
Ich öffne meine Augen. Wie die Strahlen eines Lasers wirft mein Wecker
die grünen Digitalzahlen weit in mein Zimmer hinein. Wiedereinmal bin ich
vor meinem Wecker wach. Alles sieht noch genauso aus wie gestern Abend,
als ich schlafen ging. Nur das selbstgebastelte Dinosaurierskelett
leuchtet nicht mehr so hell.
Es ist jetzt 4.53 Uhr. Langsam schiebe ich die Bettdecke zur Seite. Ich
stehe auf, ziehe meine Pantoffeln an und gehe wie jeden Morgen die Treppe
hinunter, um zu frühstücken.
(A. Wiegard)
Augenblickstext
Was, schon 18:15 Uhr? Aber ich bin ja auch gleich da. Noch knapp 400
Meter. Da ist sie, die Fahrschule und da ist er: Daniel, oh Nerv! "Hi,
biste schon lange hier?" "Schon seit viertel vor sechs.
Hoffentlich kommt der Willmes bald." "Mensch sei froh, dass er
überhaupt immer etwas früher da ist." Jetzt mußte ich Michael erst
mal verteidigen. "Ich mein ja nur, dann kann ich meine Bögen
wenigstens in Ruhe ausfüllen." "Daran liegt' s bestimmt nicht,
dass du dein Limit nicht unterschreitest. "Da ist er ja endlich. Der
hat die Ruhe weg. Schau mal, deine Kumpels." "Wieso meine, die
waren bei mir in der Klasse - leider - aber das war's auch."
"Trotzdem sind's deine." "Du bist auch so einer,
Spinner." Schnell zwei Bögen in Beschlag genommen und los geht es.
Auflaufgebremster Anhänger, sonst klappt' s aber noch. Was wollen die
eigentlich von einem? "Ich verzichte auf meine Vorfahrt, um die enge
Kreuzung nicht zu verstopfen." Zu 100% logisch, ja wahrscheinlich, so
sieht's aus. "Entschuldige, weißt du, was das hier soll?"
"Zeig mal. Nicht wirklich. Ludmilla kann auch nicht viel damit
anfangen. Wir stimmen ab. Es wird wegen absoluter Mehrheit das letzte
angekreuzt. Es geht los. Michael schaltet die Flimmerkiste, die an der
Wand so komisch hängt ein und interaktiv sehen wir Verkehrsschilder. Wie
im Supermarkt an der Kasse: Das Produkt wird über den Scanner gezogen.
Hier sind unsere ‚Produkte' Verkehrsschilder. "Wennste das siehst,
was heißt das?" "Vorfahrt beendet, sponsort by Adidas?"
"Hä, haben die nicht vier Streifen?" "Nein Mark,
drei." wieder etwas fürs Leben gelernt, aber trotzdem ist die
Vorfahrt beendet. Jawoll Mark, du hast es voll drauf. "Wie schnell
fahrt ihr denn auf der Landstraße?" "130!" "Alex, du
bist vielleicht eine hohle Nuss. In den nächsten Wochen hast du dein
erstes Ticket und auf den Fläppen kannste auch verzichten."
"Danke Steffen, aber ich kann meine Frau auch vom Chauffeur zur
Entbindung fahren lassen." "Wie jetzt?" "Naja, setzt
sie sich eben in den nächsten Bus!" Ja wahrscheinlich. Männer, null
Ahnung von nix. Aber wir haben uns trotzdem ganz schön abgerollt. Die
Stimmung ist wieder gut wie eh und je. "Wißt ihr denn wo in Arnsberg
ein verkehrsberuhigter Bereich ist?" Mensch ich kann froh sein, wenn
ich überhaupt erst in Arnsberg ankomme und Herr Lehrer will so etwas
wissen. Man faßt es nicht. Wann bin ich denn schon mal in Arnsberg. Das
gleiche müssen wohl auch die anderen gedacht haben. Enthaltung auf allen
Plätzen. Zehn vor acht. Die erlösenden Worte: "Schluß für
heute." Jetzt reicht wirklich. Die Uhr in der Fahrschule ist auch
noch nicht umgestellt, gut, dass ich meinen Wecker immer dabei hab. Tschö,
Daniel. Aha, mein Sponsor holt mich schon ab. Endlich nach Hause.
(K. Kotzem)

Liebesgeschichte
Eine weiter geschriebene Erzählung
Als sie sich kennenlernten war es dunkel gewesen. Dann
hatte sie ihn eingeladen und nun war er da.
"Möchten Sie vielleicht etwas trinken?" fragte sie. "Nein
danke." Sie holte sich einen Orangensaft aus dem Kühlschrank und
setzte sich auf den Sessel. Er hatte
es sich bereits auf dem Sofa bequem gemacht. Sie überlegte, ob es nicht
doch ein Fehler war, ihm von der Sache zu erzählen. Aber wer sonst konnte
ihr helfen. Alle, die von dem Dokument wußten waren jetzt tot. Sie lebte.
Aber wie lange noch? 48 Stunden? Sie wußte es nicht. Sie war sich nur
über eins im Klaren: Jetzt ist es sowieso zu spät. Er wußte von der
Sache und nun sind beide in Gefahr. Wie oft schon hatte sie die Wohnung
gewechselt. Grundsätzlich verließ sie ihre "Verstecke" wie sie
es nannte durch die Hintertür. Jeden Tag ein neues Outfit. Gestern noch
lange braune Haare, heute waren sie kurz und tiefschwarz gefärbt. Ob sie
das schon wußten? Hatten ihre Verfolger sie schon erkannt. Im Moment war
ihr das egal. Durch einen lauten Knall, der von der Straße kam wurde sie
jäh aus ihren Gedanken gerissen. Stevens hatte bereits einen Stift und
einen Block hervorgeholt und fing an sich Notizen zu machen.
"Schreiben Sie sich nichts mit, bitte!" forderte sie ihn auf.
"Es genügt, wenn Sie mir zuhören und sich alles merken, das ist
sicherer." Mit einem "wenn Sie meinen" legte er die
Schreibunterlagen beiseite. "Ich bin froh, dass wir uns doch noch
getroffen haben. Ich kann Ihnen bestimmt helfen." "Das wird sich
noch herausstellen, ob Sie das können und ob ich das überhaupt
will!" Der erste Schritt war getan. Sie hatte ihn zu sich in die
Wohnung bestellt. Draußen auf der Straße, nein, das war zu gefährlich.
Hinter jeder Ecke könnten sie stehen. "Wer verfolgt Sie eigentlich?
Am Telefon und bei unserem ersten Treffen sprachen Sie nur von ‚Ihnen'."
"Wenn ich das wüßte. Aber ich habe eine Vermutung, wer es sein
könnte. Es sind wahrscheinlich die gleichen, die Adams ermordet haben.
Irgendwer beim FBI hat etwas durchsickern lassen. Es gibt bestimmt schon
mehrere Kopien von meinem Dossier." Das Dossier war ein Dokument, das
aus lauter Vermutungen und Spekulationen ihrerseits bestand. Sie hatte
eine Theorie, wessen Werk der Mord war und jetzt kennen es die falschen
Leute. Sie ist erst seit zwei Jahren Richterin, aber sie ist sich ganz
sicher, dass sie mit ihrem Dossier genau ins Schwarze getroffen hat.
"Gestern verfolgte mich ein kleiner dünner Mann, der ist mir schon
vor einigen Tagen aufgefallen. Er bewegt sich sehr geheimnisvoll, so als
ob er irgend etwas sucht. Und er hat ‚es' bzw. mich schon gefunden. Und
er ist nicht alleine, da bin ich mir ebenfalls ziemlich sicher. Gestern
sprach er neben der Sporthalle, die genau vor meinem Fenster liegt, als es
schon dämmerig war mit einem anderen etwas untersetzten Mann, der genauso
unauffällig wie er kam auch wieder verschwand. Sie haben mich nicht
entdeckt, aber ich spüre, dass sie in der Nähe sind." Er konnte
ihre Angst nicht ganz nachvollziehen. Er versuchte sich aus ihren
Erzählungen das wichtigste zu merken und zu einem Muster
zusammenzufügen. Nein, er verstand sie wirklich nicht. Jemand verfolgt
sie, weil sie ein Dokument verfaßt hat, dass aus lauter Vermutungen
zusammen gestrickt ist und auf ominöse Weise verschwand. Alle Mitwisser,
oder die die es mal waren, sind jetzt tot. Glaubt sie. "Wer sagt mir
denn, dass es nicht vielleicht die Putzfrau weggeworfen hat und Sie
verfolgt werden,
weil Sie ein Urteil gesprochen haben, dass jemandem nicht paßte?
Vielleicht hat es nur ein verärgerter Ehemann auf Sie abgesehen, den Sie
verurteilten Alimente für sein Kind zu zahlen." "Ich finde das
nicht lustig. Ich habe die beiden Männer von gestern noch nie gesehen.
Ich kann mir Gesichter merken, davon können Sie nur träumen."
Er merkte, dass sie auf der Stelle traten und mit ihren Recherchen nicht
weiter -kamen, also mußten sie sich etwas anderes überlegen; beide. Er
wußte es und sie wußte es. "Sie verstehen es nicht, das sehe ich
Ihnen doch an, aber trotzdem habe ich Angst. Bitte schlafen Sie heute
nacht hier auf der Couch. Dann fühle ich mich sicherer. Morgen haben wir
den ganzen Tag Zeit um zu überlegen, wie wir weiter vorgehen."
"O.k., meinetwegen. Kann ich machen. Morgen ist sowieso mein freier
Tag. Dann gute Nacht." "Gute Nacht!" sagte sie, doch ob das
wirklich eine ‚gut' wird, das bezweifelt sie. Sie wird wahrscheinlich
genauso schlecht schlafen wie schon die letzten vier Wochen, da war sie
sich sicher. War es wirklich so gut ihn mit in die Sache hinein zuziehen?
Mit den Gedanken, dass morgen vielleicht schon wieder alles anders
aussieht ging sie ins Schlafzimmer ihres Apartments und legte sich aufs
Bett. Dann war doch die Müdigkeit schneller und sie schlief tief und fest
bis zum nächsten Morgen.
Sie schlief nicht lange. Um 7.00 Uhr war sie schon wach. Was machte ihr
Bekannter, ob er wohl noch da war? Sie zog sich ein Hemd über und schlich
ins Wohnzimmer. Und was sah sie da? Nichts! Und genau das war es. Jetzt
war sie hellwach. So unauffällig, wie er gekommen war, verschwand er auch
wieder. Sie schaute unter das Sofa, und da lag der Notizblock. Sie nahm
ihn, setzte sich hin und las die Notizen, die er sich noch in der Nacht
gemacht hat durch. Nur das, was sie gestern erzählt hatte. Nichts
auffälliges. Aber was war das? Auf dem Kissen waren dunkle Flecken. Nein,
ist es das, für das sie es hielt? Das darf doch wohl nicht wahr sein. War
er der nächste, den es erwischt hat? Im Moment sah es so aus. Das Kissen
steckte sie in eine Plastiktüte und ließ beides in ihrer Tasche
verschwinden. Erstmal nahm sie sich vor, den Boden nach weiteren Spuren
abzusuchen, aber es der Polizei melden? Niemals! Sie dachte an Richard
Kimble. Schon wieder auf der Flucht und alleine. Was sollte sie jetzt
bloß tun. Große Ratlosigkeit machte sich breit. Was tun?
© Katrin Kotzem
Gym 13

Gedichte spontan
Spontan
Die Ferien sind schon zu Ende,
ich hab sie alle voll zu tun, die Hände;
Es gibt wieder Anlaß zum Stressen,
die Hälfte ist eh schon wieder vergessen;
Herr Hillmann spricht einfach zu viel,
ich werde es wohl nie erreichen, das Lernziel;
jetzt Spanisch - ja gerne,
das hinterlistige Lachen ich höre es bereits in der Ferne;
ein ironisches ‚Guten Morgen' kommt mir zu Ohren,
spicken in Spanisch? Is' nicht, ich glaub wir sind verloren;
es bleibt ein Wechsel zwischen Raten und Wissen der erste Zeilen,
es ist viel zu wenig Zeit, schon wieder muss ich mich beeilen;
unbekannte Vokabeln, wie du damit fertig wirst, das kannste sehen,
er will sie einfach nicht erklären und bleibt auf seinem Standpunkt
stehen.
Nach der Pause bin ich noch bei Spanisch,
jetzt Englisch, das gefällt mir gar nicht;
Stress - wie an der Börse geht es hier zu,
es geht abwärts und das im Nu;
nur gut, dass ich bei der EZB nicht mitentscheiden muss,
bald kostet eine Briefmarke 100 Euro, Inflation und dann ist Schluß;
an die D-Mark eine Laudatio,
aber was soll's der Euro kommt, so oder so.
Ein neues Auto - bei dem Gedanken werde ich munter,
dann geht das Geld nicht den Bach hinunter.
Einen Ford Fiesta mit Klimaanlage und immer den Tank voll,
wenn es den Finanzrahmen nicht sprengt, das wäre toll.
Sie sind wohl trocken, am Ochsenkopf die Straßen,
darauf konnte ich mich bis jetzt noch immer verlassen;
die Gänge werden schon nicht schwergängig sein,
sie sind bestimmt wie die Parklücken, mal raus mal rein;
ich sehe ihn geistig vor mir, Dr.-Einhaus-Weg, da ist er schon,
ich fahr dran vorbei und dann haben wir sie im Auto, die Diskussion;
das Auto nicht abwürgen, bei guter Musik von Radio Sauerland,
dann klappt' s auch mit dem Auto, so wie ich es bereits schon einmal
empfand.
(K. Kotzem)
Gedicht
Wir sollen eine halbe Stunde
Ruhig sein und
Aufschreiben, was uns gerade
In den Kopf kommt.
Ich gucke in der Klasse herum.
Die anderen fangen sofort an
Etwas zu schreiben.
Doch mir fällt nichts ein.
Ich schaue aus dem Fenster.
Schaue mir die Bäume, den
Schulhof und die vielen Autos an.
Doch ich weiß immer noch nicht, was ich schreiben soll.
Die Zeit ist gleich um und
Ich gucke noch einmal durch die Klasse.
Alle haben sie etwas auf ihrem Papier.
Bloß mir fällt nichts ein.
(S. Wagner)
Gedanken...
Gedankengänge,
Menschliches Denken,
Schemen,
Logik,
Kategorization,
Verstand,
Wozu?
Die wichtigsten Dinge
Verstehen wir nicht.
Unkategorisierbar:
Die Seele und
Die Instinkte.
Seele.
Logisch?
Liebe.
Warum?
Woher?
Welche Kategorie?
Wieso?
Instinkte.
Warum tut er das?
Niemand weiß es,
Es ist instinktiv.
Es hat kein Schema.
Oder doch?
Nur keine menschliche.
Vielleicht göttlich?
Kein Zufall.
Kein Wunder.
Nur ein göttliches Schema.
Keine menschliche Struktur.
Daher unbegreiflich.
Für uns Menschen...
(B. Türk)
Sommergefühle
Sonne kribbelt auf der Haut!
Warmer Wind wirbelt durch die Haare!
Das Meer liegt vor mir!
Ein Rauschen dringt in meine Ohren!
Der Sand zwischen meinen Füßen!
Ich schlage die Augen auf,
bin enttäuscht,
denn es ist kalt und regnet!
(C. Hoffmann)

Märchen
Ein wenig "Pädagogik"
Es gab mal einen Lehrer. Er war nicht groß, er war
nicht klein. Er war weder auffällig, noch unbemerkbar. Er war nicht jung,
er war nicht alt. Er war Lehrer - und das war vielleicht das Wichtigste,
was man über ihm sagen konnte. Er unterrichtete mit einer ungeheuren
Selbstverständlichkeit; nicht aus Leidenschaft, nicht als Pflicht.
Sondern weil er Lehrer war.
Er war glücklich mit seiner Arbeit, doch wie er sich auch bemühte, es
gab immer etwas womit er nie richtig zufrieden sein konnte. Da er weder
auffällig war, noch besonders seriös wirkte, wünschte er sich ein wenig
mehr Ansehen. Es war kein besonderer Wunsch - er wünschte sich nur etwas
mehr Aufmerksamkeit von seinen Schüler, durch ein wenig mehr Respekt und
Durchsetzungsvermögen.
Eines Tages ging der Lehrer in den Wald, um seinen Freund, den Bären zu
besuchen. Das tat er oft. Sie verbrachten viel Zeit miteinander - sie
erzählten einander Witze, sprachen über alte Zeiten und tranken um die
Wette. Auch an diesen Tag war es so. Und wieder mal wurde es spät, als
sich der Lehrer endlich auf dem Weg nach Hause machte. Es war eine klare
Nacht, und der Lehrer hatte fröhlich vor sich hingepfiffen. Als
plötzlich ein Schweinchen seinen Weg kreuzte. "Guten Abend, Herr
Lehrer!", begrüßte ihm das Schweinchen. Der Lehrer hatte sich sehr
gewundert, als er das Schweinchen sah - doch glücklicher Weise hatte er
erst kurz bevor er losging eine Wette gegen den Bären gewonnen, und so
lockerte seine Zunge und er grüßte zurück. "Guten Abend,
Schweinchen!". "Eine schöne Nacht, nicht wahr?". "Ja,
eine schöne Nacht. Der Himmel so klar, die Sterne leuchten... Als ob fast
alles in Ordnung wäre.". Der Lehrer seufzte. Das Schweinchen wurde
mißtrauisch. "Das klingt aber nicht gerade fröhlich! Was ist denn
los? Du hast doch nicht etwa einen meiner Kollegen gerade verputzt?".
"Nein. Keine Sorge. Mich bedrückt etwas anderes. Es ist zum Mäuse
melken." "Was kann denn so schlimm sein? Es geht doch nicht etwa
um deine Arbeit?". Der Lehrer nickte. "Doch, doch. Weißt du
Schweinchen, manchmal wünschte ich mir etwas mehr Respekt von meinen
Schülern. Ich habe oft das Gefühl, daß sie mich nicht beachten. Als ob
ich zu mir selbst reden würde. Vielleicht bin ich ein schlechter
Lehrer..." Das gefiel dem Schweinchen gar nicht. "Das bist du
nicht. Allerdings könntest du versuchen deinen Unterricht nach moderneren
Methoden zu gestalten." "Nach moderneren Methoden?".
"Ja. Zum Beispiel nach der Brinkmannschen Methode. Autorität und
Gehorsamkeit durch Furcht und diktatorische Maßnahmen." Das hörte
der Lehrer gern. "Hmm. Klingt vielversprechend. Und wie funktioniert
das?". "Nun ja, es ist nicht ganz einfach. Aber du kannst es
erlernen. Als erstes solltest du seinen Buch lesen. Der Titel heißt
"Alles für Lulli". Dort wird seine Methode ausführlich
beschrieben." "Verstehe. Ich hoffe, das hilft weiter."
"Das hoffe ich auch. Tja, tut mir leid, aber ich muß jetzt los. Hast
du noch etwas vor, heut' Nacht?" Der Lehrer nickte. "Ich werde
mir die Kehle noch ein wenig feucht machen." "Du solltest
weniger Zeit mit dem Bären verbringen, glaube ich." Das Schweinchen
verabschiedete sich. "Ich wünsche dir noch weiterhin eine schöne
Nacht!". "Danke, dir auch".
Und so geschah es, daß der Lehrer bereits am nächsten Tage Brinkmanns
Buch der modernen Pädagogik kaufte, seine Weisheiten studierte, noch am
selben Tage das Buch wegwarf, seine eigene Methode aufstellte, ein eigenes
Buch schrieb, das den Titel "Prinzip der gewaltlosen Pädagogik durch
passiven Widerstand" trug, und es noch am selben Tage
veröffentlichte. Und da das Buch in Lehrerkreisen ein Bestseller wurde,
brauchte er auch nicht mehr zu arbeiten. Dafür verbrachte der Lehrer
jedoch jede Menge Zeit mit seinem Freund, den Bären.
Und wenn sie nicht zuviel getrunken haben, leben sie heute noch.
(B. Türk)