Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des Hochsauerlandkreises in Arnsberg

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Ansprechpartner:
Peter-Michael Strätz:
pstraetz@gmx.de

Schüler und Schülerinnen der Kaufmännischen Schulen können nicht nur verwalten, sondern auch gestalten und unterhalten. Das Literaturforum soll ihnen die Möglichkeit bieten, ihre Werke einer breiteren Öffentlichkeit als die der Klassengemeinschaft zu präsentieren.

Am 27. März 1998 werden neue Texte angeboten.

Heute lesen Sie Texte aus der Schreibwerkstatt der gymnasialen Oberstufe (GymO 13):
Extreme Arnsberging!


Geiselnahme in den kaufmännischen Schulen
Arnsberg.
Arnsberg. Um 7.40 Uhr machte ein Lehrer seine Drohung war. Er zwängte 17 Schüler der gymnasialen Oberstufe in den Gebäuden der kaufmännischen Schulen am Berliner Platz zusammen und zwang sie, an einen Literaturkurs teilzunehmen. Nach zweistündiger Verhandlung, in der der Lehrer seine absurde Forderung nach freiem Schreiben bekanntgab, konnten die Geiseln um 9.10 Uhr aus der Schreibwerkstatt befreit werden. In dem bei der Befreiung entstandenen Durcheinander konnte der Geiselnehmer untertauchen.Die Polizei bittet Sie um Ihre Mithilfe. Augenzeugen werden gebeten, sich auf dem nächsten Polizeirevier zu melden. Für Hinweise, die zur Ergreifung des Täters führen, gibt es 1000,- Wörter Belohnung.

 Andreas C.

Schreibimpuls: Bild

 Bilder und Fotos begegnen uns überall. An jeder Straßenecke, in Schaufenstern, auf Handzetteln. 'Begebt' euch in das Foto, in das Bild, schaut euch um, beginnt zu erzählen. Oder vielleicht findet ihr dort jemanden, mit dem ihr ein Gespräch beginnt.

 

  "Somewhere over the rainbow"

 "Räum dein Zimmer auf! Ich sag dir das zum letzten Mal."

"Ja, Ja. Ist ja schon gut. Ich werde es irgendwann schon aufräumen.", sagte Paul und wandte sich wieder seinem Computerspiel zu.

"Nicht irgendwann, sondern sofort!", die Stimme seiner Mutter wurde jetzt schrill.

"Du spinnst wohl, ich laß mir doch nicht alles vorschreiben." Paul konnte sich kaum mehr beherrschen.

"Wart ab, bis dein Vater kommt!"

Die Mutter verließ den Raum und knallte die Tür hinter sich zu. Paul haute mit seiner geballten Faust auf den Schreibtisch und schrie seiner Mutter hinterher: "Ach laß mich doch in Ruhe. Immer hast du was zu meckern."

Abhauen! Weg! Nur weg von hier! Es hat doch keinen Sinn mehr. Er hatte alles versucht. Wirklich, er hatte es wirklich versucht. Doch gegen diese Tyrannei sah er keine Chance. Sogar seine Freunde lachten ihn schon aus. Abhauen! Werden schon sehen, was sie davon haben. Paul fluchte und riß sein Portemonnaie aus der Schreibtischschublade. "Elf, zwölf, dreizehn, dreizehn fünfundachtzig!" Nicht gerade viel, aber das mußte reichen. Er zog sich erst die Jacke und Schuhe, dann Schal, Mütze und Handschuhe an. Danach öffnete er das Fenster, um herauszuklettern. Eine leichte Übung für ihn. Seine Camel-Boots dämpften den Sprung auf den gefrorenen Rasen. Vorn an der Ecke zur Straße blickte er zum Eingang. Zu. Gut! Die Rolladen vom Küchenfenster waren bereits heruntergelassen. Paul überquerte schnell die Straße und ging Richtung "Bahnhof Sundern".

Es fing an zu schneien, doch dies machte Paul gar nichts aus, denn er freute sich auf ein neues Leben voller Abenteuer ohne die tyrannischen Eltern. Als er am Bahnhof angekommen war, stellte er sich auf den Bahnsteig und wartete auf den nächsten Zug. Etwa eine halbe Stunde später fing Paul an, mit seinen Füßen zu wippen und pfiff die Melodie "Somewhere over the rainbow". "Eine Zigarette wäre jetzt nicht schlecht!", dachte er sich und fing an zu grübeln. Dreizehn Mark und fünfundachtzig Pfennige! Wenn er sich jetzt Zigaretten kauft, reicht das Geld nicht mehr, um hier wegzukommen. "Scheiße!"

"Na na!" unterbrach ihn eine tiefe Stimme. "Und was hast du überhaupt hier zu suchen?"

"Ich? Ich warte auf den Zug. Was sonst?", erwiderte Paul forsch.

"Daraus wird wohl nichts. Dies ist ein Bahnhof für den Güterverkehr. Hier gibt es keinen Personenverkehr mehr."

Paul wurde schwarz vor Augen. Flimmern! Einen Moment herrschte eine schreckliche Leere in seinem Kopf. Dann nahm er seinen Mut wieder zusammen und fragte den alten Bahnhofswärter nach einer Zigarette. Dieser gab ihm eine und sagte zu ihm, daß er den Bahnsteig verlassen solle. Paul zündete die Zigarette an und schlich mit gesenkten Kopf nach Hause.

"Das gibt es doch nicht, das kann es doch nicht gewesen sein!", murmelte Paul enttäuscht vor sich hin. Das Schicksal war eindeutig gegen ihn gestimmt. Als er zu Hause ankam, kletterte er wieder durchs Fenster hinein. Dabei fiel ihm eine Topfpflanze von der Fensterbank. "Verdammte Scheiße!" Paul trat mit dem Fuß vor die Heizung. Er zog seine Jacke, Mütze, Schal und Handschuhe aus und machte sich daran, die Scherben wegzuräumen. Hinter ihm hörte er die Tür aufgehen.

"Unglaublich, du hast ja immer noch nicht aufgeräumt."

 René K.

Schreibimpuls: Zeitungsmeldungen

 Die tollsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Schneidet euch aus der Lokalpresse interessante Artikel aus. Versetzt euch in eine der handelnden Personen und erweitert die Nachricht zu einer Geschichte. Wie denken, fühlen und handeln die Personen?

 14-jähriger auf Spritztour

"Shit! Schon wieder son Idiot, der zu tief in die Flasche geschaut hat und unbedingt noch selber nach Hause fahren muß. Daß die einfach nicht kapieren, was sie damit alles anrichten können. Aber na warte Bürschchen, dich schnapp ich mir." Peter Hauser startet seinen Streifenwagen. Eigentlich ist so ein Einsatz ja nur ein Routinefall für ihn. Jedoch allein die Tatsache, daß es so viele besoffene Autofahrer gibt, daß es schon zu einem Routinefall geworden ist, bringt Peter zur Weißglut.

" Das gibt eine saftige Strafe. Ich schwöre dir, das Saufen wird dir noch vergehen !", knurrt er vor sich hin.

Während dessen ist in dem schwarzen Mazda 626, der in Schlangenlinien vor Peters Streifenwagen herfährt, die Panik groß.

" Scheiße, ich hätte es wissen müssen, du kannst gar nicht fahren, und jetzt? Was wenn die Bullen uns erwischen? Meine Eltern. Scheiße! Die haben mir verboten, irgendwo als Anhalterin mitzufahren!", kreischt Indra hysterisch und bringt Jens damit schier um den Verstand. Sie hatte so gut ausgesehen, wie sie da am Wegesrand stand und ihren Daumen raushielt. Lange blonde Haare, ein kurzes schwarzes Kleid, schwarze hochhackige Schuhe, ein kleines goldenes Herz an einer goldenen Kette um ihren weißen Hals und die zu dem Outfit passende Handtasche. Für Jens war es Liebe auf den ersten Blick, auch wenn sie zu alt für ihn schien. Er hatte einfach anhalten müssen. Als sie mit einem etwas ungläubigen Lächeln, wahrscheinlich seines jugendlichen Aussehen wegen, einstieg, fielen ihm auch die Ohrringe auf, die er zuvor wegen der Haare nicht sehen konnte. Sie stellten indianische Federn dar und waren silbern. Doch als er sie gerade fragen wollte, warum sie Silber zu Gold trug, schaute er ihr in die Augen und vergaß alles um sich herum. Sie waren blau und grün und schienen ihn zu durchdringen. Für ihn waren es die schönsten Augen, die er je gesehen hatte. Sie waren ungewöhnlich groß und klar und schienen irgendwie auf eine seltsame Art und Weise zu leuchten. Jetzt drang auch ihre Stimme in seinen verwirrten Kopf. Es war eine hohe Stimme, aber sehr wohlklingend und, ja richtig, sie sprach zu ihm. Arnsberg, sie wollte nach Arnsberg. Eigentlich wollte Jens ja nach Hause, aber für sie würde er überall hinfahren. Mmm, dieses Parfüm. "Tja du hast Glück. Ich fahre nach Arnsberg!", hörte er sich sagen.

Doch so hysterisch, wie sie im Augenblick ist, gefällt sie ihm gar nicht, und plötzlich tut es ihm leid, daß er sie mitgenommen hat. Es tut ihm leid, daß er nicht auf die Verbote seiner Eltern gehört hatte, sich einfach die Schlüssel aus dem Küchenschrank genommen und das Auto aus der Garage entführt hatte. Er würde so etwas auch nie wieder tun, wenn er jetzt nur wieder Zuhause sein könnte. Doch er war schon auf die L685 über den Ochsenkopf in Richtung Arnsberg abgebogen und umzudrehen ist jetzt unmöglich. Aber den Anweisungen des verfluchten Bullen, (denn Jens verfluchte ihn für seine Anwesenheit), daß er anhalten solle, würde er auch nicht folgen. Auf gar keinen Fall. Dafür hat er viel zu viel Angst vor der Strafe seiner Eltern. Also bleibt ihm nichts anderes übrig als zu beschleunigen und zu hoffen, diesen Bullen so irgendwie abzuhängen.

" Verfluchter Scheißkerl!", zischt Streik. "Anstatt endlich anzuhalten, beschleunigt der Penner noch. Selbst der besoffenste Idiot sollte merken, wann es besser wäre anzuhalten. Der führt sich auf wie ein kleines Kind."

Die Wagen überschreiten den Scheitelpunkt des Ochsenkopf und beginnen den Abstieg dem Tal entgegen. Die Reifen quietschten in jeder Kurve. Doch Verzweiflung und Angst treiben Jens an. Ein leichter Schweißfilm fängt an, sich auf seiner Stirn zu bilden und immer dichter zu werden. Er spürt, wie sich das Adrenalin in ihm ausbreitet. Dieses legt sich dann mit einem seltsamen Geschmack auf seiner Zunge nieder. Seine blonden schulterlangen Haare fangen an zu verkleben. Sein braunes T-Shirt fühlt sich unter den Achseln klamm an. Seine blauen Augen starren auf den Mittelstreifen vor sich. Er atmet schnell und stoßweise und versteht kein Wort von dem, was Indra immerzu brüllt. Doch plötzlich weiß er es. Ein dunkelblauer Passat, der ihnen aus der Gegenrichtung entgegenkommt. Da der Fahrer das Fernlicht nicht ausschaltet, hat er wohl einen ebenso großen Schock wie Jens in diesem Augenblick. Beide sind unfähig zu reagieren und da Jens zu weit links fährt, scheint ein Frontalzusammenstoß unvermeidlich. Doch plötzlich macht der Mazda einen scharfen Schwenk nach rechts. Ein Glück nur, daß in diesem Moment eine Rechtskurve kommt, sonst würde der Wagen unweigerlich in den Graben rauschen. Es ist so knapp, daß der Außenspiegel des Passats an dem Kofferraum des Mazda abgebrochen ist. Indra hatte Jens ins Lenkrad gegriffen und somit den Zusammenstoß verhindert.

Peter Streik, der den Beinahezusammenstoß mitbekommen hat, versteht, daß er den Wagen auf gar keinen Fall in die Stadt kommen lassen darf und greift zum Funkgerät. " Achtung Zentrale, hier Wagen X4, Peter Streik, verfolge gerade einen schwarzen Mazda 626 über den Ochsenkopf in Richtung Arnsberg. Brauche Verstärkung, erbitte eine Straßensperre auf der Sunderner Straße in Arnsberg." Befriedigt hört Peter die Bestätigung der Zentrale. Das wäre geregelt. Na warte Bürschchen.

Einen Augenblick später schießen die Wagen durch die letzte Ochsenkopfkurve. Jens beschleunigt noch stärker und guckt in den Rückspiegel, um zu sehen, was der Bulle hinter ihm nun macht.

Als Jens wieder nach vorne schaut, weiten sich seine Augen vor Schreck. Da steht wie aus dem Nichts ein Streifenwagen. Alle drei, Jens, Indra und der Fahrer des zweiten Polizeiwagens, der aus seinem Wagen gestiegen war, um nicht zerquetscht zu werden, falls der Besoffene auf die Idee kommen sollte, ihm direkt in die Karre zu rauschen, sind für einen Augenblick wie gelähmt. Doch dann, nahezu gleichzeitig, tritt Jens voll auf die Bremse, während Indra ihm erneut ins Lenkrad greift, um auch diesen Zusammenstoß zu verhindern, und der Polizist springt mit einem Satz in den Graben, um sein Leben zu retten.

Wieder gelingt es, den Zusammenstoß zu verhindern, aber diesmal gibt es keine rettende Kurve danach. Der Wagen mäht zwei Verkehrsschilder um, durchbricht eine Hecke, streift einen Baum und landet 3m tiefer am Bachufer.

"Benzingeruch!", denkt Jens und schlägt die Augen auf. Sofort schaut er nach rechts. Indras lebloser Körper ist immer noch auf dem Beifahrersitz. Aber ihr Bauch hebt und senkt sich schwach. Sie lebt also noch, ist sein letzter Gedanke, bevor er in die nächste Ohnmacht sinkt. Als er das nächstemal die Augen aufschlägt, sieht er noch etwas verschwommen die Neonröhre an der Decke der Notaufnahme. "Indra ?", stammelte er. Ein Gefühl der Hilflosigkeit und Sorge um ihr Leben steigt in ihm auf. "Sie wird schon wieder, keine Angst", hört er die Stimme seiner Mutter sagen. "Doch sie hat weniger Glück gehabt als du!", fügt sein Vater hinzu, der genauso wie seine Mutter die ganze Zeit über an seinem Bett gewacht hat.

Ralf O.

Schreibimpuls: Leute wahrnehmen

Schwierig, aber reizvoll. Einen fremden Menschen beobachten: Wie sieht er aus? Was macht er? Und vor allem: Was könnte er denken? Fühlen? Was geht in ihm vor?

Ein Leben in Oeventrop

Die dunklen Wolken hängen grau und schwer am Himmel. Plötzlich öffnet sich die Tür, und sie tritt heraus. Schaut suchend nach links und rechts, bis sie nach einer Weile mit einem Blick ins Leere verharrt. Sie steht wie versteinert in ihrer kurzen, blauen, ausgewaschenen Jeans auf der obersten Stufe der Treppe. Trägt zu der Hose ein weites, schwarzes T-Shirt und dunkelgraue Wildlederschuhe, aus denen dünne weiße Beine herausragen. Ihr ernstes, ebenfalls bleiches Gesicht, das schon von Arbeit und Sorgen durch Falten gezeichnet ist, ist von kurzen, krausen Locken umgeben, die unbändig in alle Richtungen von ihrem Kopf abstehen. Darunter befinden sich zwei graue, kleine Augen, die jedoch deutlich von dunklen Ringen umgeben sind, eine schmale, aber viel zu große Nase und ein kleiner Mund, hinter dem, leider viel zu selten, wunderschöne Zähne zum Vorschein kommen. Sie ballt ihre Faust, weiß nicht, was sie machen soll, ist einfach völlig unentschlossen, macht dann einen weiteren Schritt zum Treppenende und bleibt erneut stehen. Ihr Blick schweift wieder nach rechts, wieder nach links. In der Zwischenzeit öffnet sich langsam ihr Mund, wobei ihr gleichzeitig die Röte ins Gesicht schießt.

Sie befindet sich in derselben Situation, die sie schon als Kind gequält hat. Sie ist mal wieder völlig überfordert. Bis zum heutigen Tage hat sie es nie geschafft, sich alleine durchzusetzen. Immer war sie die Dumme, der man helfen mußte. Oder sie ist einfach übersehen worden, nicht beachtet, vergessen worden.

Eigentlich könnte sie auch ruhig bleiben. Einfach nicht losbrüllen und ihre Kinder nicht noch ängstlicher machen. Scheiß Welt, Scheiß Leben. Sie malt sich aus: wenn sie nicht in diesem kleinen Dorf zur Welt gekommen wäre. Nicht die ganzen Jahre diese schrecklichen Menschen hätte ertragen müssen. Sie wäre eine glückliche, selbstbewußte Frau geworden. Eine Frau, die Karriere gemacht hätte und mit beiden Beinen fest auf dem Boden stehen würde. Eine Frau, die die Kraft hätte, Beruf und Familie unter einen Hut zu packen.

Nun tritt sie auf die Straße und brüllt nach ihren beiden Kindern, die sich gebückt hinter den Sträuchern im Garten verstecken. Da sie nicht erscheinen, läßt sie die Arme hängen, steigt die Stufen rückwärts hinauf, öffnet die Tür, die sie dann nach ihrem Eintreten mit voller Wucht zuschlägt.

 Regina H.

 

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Letzte Seitenänderung am: 18. Dezember 2001. Jürgen Nölke