Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des Hochsauerlandkreises in Arnsberg |
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Es geht also nicht um die Frage, ob man Literatur
lehren kann, sondern nur noch um das "Wie?". In anderen Ländern klingt dieser
Satz selbstverständlicher. In den USA hat fast jeder Autor handwerklichen Schliff an
einer Hochschule bekommen. Bei uns geht es an den Schulen und den Universitäten dagegen
in der Regel um Deutung, nicht ums Verfassen von Texten. Allerdings sind im Sauerland zur
Zeit große Bemühungen erkennbar, eine Schreibkultur zu etablieren. 1996 rief die
Literarische Gesellschaft Arnsberg die Poetische Nacht aus, eine Lesung von
Jugendlichen im Neheimer Nachtcafé. Eine Publikation folgte, in der auch eine Schülerin
unserer Schule vertreten ist. Zur Zeit können literarisch Interessierte eine
Veranstaltungsreihe im gesamten Sauerland unter dem Motto Winterpoesie
besuchen. Die Konzeption ist einfach zu beschreiben. Am Anfang steht ein Schreibimpuls. Dann lernt man das Schreiben durch das Schreiben und natürlich durch das Vorlesen, durch den Vergleich mit anderen Fassungen, durch Reflexion, durch Überarbeitung. Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen, sagt der Volksmund. So entwickeln man sich Schritt für Schritt weiter. Schüler und auch Lehrer haben sich - mit nur wenigen
Vorerfahrungen - an diesen Prozeß gewagt. Zur Phasierung: Nach einer eher
spielerischen Eingewöhnungsphase wurde ein Thema (Ideenkette) gesucht, zu dem eine
Publikation erstellt werden sollte. Der Kurs einigte sich darauf, die eigene Umgebung neu
wahrzunehmen und literarisch zu gestalten: Die folgenden Schreibimpulse für das Projekt wurden zum Teil übernommen (z.B. aus einem Projektvorschlag in UNTERWEGS Lesebuch 9, Klett, Stuttgart 1995), zum Teil vom Kursleiter erdacht. Die besten Ergebnisse entstanden bei den Schreibimpulsen 6,13,17 und 18. Am meisten Spaß hatten die Kursteilnehmer bei den Exkursionen zu den Schreibanlässen 1 und 3. Stadterkundung: Schreibanlässe 1. Nahaufnahmen: Geht in die Stadt und sucht euch einen einzelnen interessanten Gegenstand, ein kleines Motiv, einen besonderen Blick oder auch einen bestimmten Hör- oder Geruchseindruck, und schreibt darüber einen kurzen Text, vielleicht ein Gedicht. 2. Inventar: Sucht euch einen Ort oder einen Raum in der Stadt, was bei ihm zu sehen, zu hören, zu riechen, zu schmecken, zu tasten ist. Beschränkt euch dabei auf eine Auflistung dessen, was ihr wahrnehmt. 3. Stadtplan-Phantasien: Sucht euch auf dem Stadtplan einen unbekannten, von der Bezeichnung / dem Namen her interessanten Ort. Stellt euch diesen Ort vor, und beschreibt rein aus der Vorstellung heraus in einem Text, wie er wohl aussehen mag, was man dort wohl mit allen Sinnen wahrnehmen kann. Es können auch Personen an diesem Ort sein und etwas tun. Begebt euch später an diesen Ort, seht ihm euch genau an, laßt ihn auf euch wirken und schreibt dann einen zweiten Text über ihn. 4. Ortsbegehung: Bildet Gruppen von vier oder fünf Teilnehmern. Trefft euch irgendwo in der Stadt im Freien und weist jedem Teilnehmer eine Himmelsrichtung zu, in die er eine vereinbarte Zeit laufen soll. Dann hält er an und schreibt auf, was er von seinem Standpunkt wahrnimmt. Seinen Text kann er durch eine Zeichnung ergänzen. 5. Stadt-Perspektiven: Eine Stadt erscheint je nach der Sicht dessen, der sie wahrnimmt: Bildet Gruppen vier oder fünf Teilnehmern und sucht euch einen Ort in eurer Stadt, über den ihr gemeinsam schreiben wollt. Dort legt ihr die Rollen fest, in die ihr euch eine Weile hineinversetzt. Nun beschreibt ihr euren Ort, wie ihr ihn wahrnehmt aus der Sicht eines Städteplaners, eines Umweltschützers, eines Liebespaares, eines Einwohners aus einem früheren Jahrhundert, eines Besuchers aus einer fremden Kultur, eines kleinen Kindes, eines Außerirdischen, eines Fahrrads, ... Ihr könnt auch eine Geschichte über eine dieser Figuren schreiben oder einen Dialog. 6. Porträt: Beobachtet möglichst intensiv interessante Leute in der Stadt (Originale). Wie sehen sie aus? Was tun sie? Versucht dabei auch, deren Gedanken zu lesen. Schreibt ein literarisches Porträt. 7. Vertrauensspaziergang: Bildet Zweiergruppen. Wichtig ist, daß ihr euch vertraut, denn ihr sollt euch von eurem Partner zwanzig Minuten mit verbundenen Augen durch die Stadt führen lassen. Aufgabe der führenden Personen ist es, der 'blinden' schöne und interessante Sinneseindrücke zu vermitteln. 8. Schreiben zu einem Bild: Bilder und Fotos begegnen uns überall. An jeder Straßenecke, in Schaufenstern, auf Handzetteln. 'Begebt' euch in das Foto, in das Bild, schaut euch um, beginnt zu erzählen. Oder vielleicht findet ihr dort jemanden, mit dem ihr ein Gespräch beginnt. 9. Reportagen: Mit fünf Mark durch die Nacht;
Schandfleck XY; ... 11. Limerick: In Neheim tagt eine Gruppe / die kocht literarische Suppe / das Hirn sie rühren / den Stift sie führen / so fein wie die schönste Puppe. 12. Stilisierung: Bekannte Orte, bekannte Situationen verfremden. Ein Western auf dem Marktplatz? Unheimliche Begegnung der dritten Art in der Disco. 13. Prominentenbriefe: Schreibt einen fiktiven Brief an Prominente in Neheim. Oder schreibt im Namen von Prominenten einen Brief an jemanden in Neheim, an eine Behörde, eine Institution, einen Verein etc. 14. Schreiben zu erinnerten Bildern: Mein liebster Platz; Zum ersten Mal; ... 15. Eingeschmuggelt: Die letzte Lampe geht aus, die letzte Tür wird zugeschlossen. Ihr habt es geschafft, was ihr schon immer einmal wolltet: Zu zweit ist es euch gelungen, euch einschließen zu lassen. Schreibt einen Text mit viel wörtlicher Rede. 16. Publikumsbeschimpfung: Hier gibt es
Gelegenheit, Frust und Ärger in einer Rede loszuwerden. Überlegt euch, wo sie gehalten
werden soll und gegen wen? 18. Zeitungsmeldungen: Die tollsten Geschichten schreibt das Leben selbst. Schneidet euch aus der Lokalpresse interessante Artikel aus. Versetzt euch in eine der handelnden Personen und erweitert die Nachricht zu einer Geschichte. Wie denken, fühlen und handeln die Personen? 19. Sprachschrott: Sammelt möglichst viele Zitate (in der Stadt, aus Broschüren über die Stadt, in der Disco, ...). Montiert diese Fundstücke wie bei einer Collage zu einem Text. 20. ... Organisationsplan zur Erstellung einer Publikation Titel: (?) Auflage: (?) Format: DIN A 5, Beginn Seite 3, Inhaltsverzeichnis,
Seitennumerierung, Illustrationen
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