Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des Hochsauerlandkreises in Arnsberg

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Geschichte

Die Kaufmännischen
Berufs- und Berufsfachschulen
in Arnsberg

S. Raschke

Die folgenden Ausführungen sollen einen kleinen Überblick über die Entwicklung unserer Schulen geben. Besonders gedankt sei den Technisch-gewerblichen Schulen, den Kaufmännischen Schulen und dem Stadtarchiv Arnsberg für die Unterstützung bei der Einsichtnahme in die alten Aktenbestände. (Siegfried Raschke)

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1900

Gründung der Berufsschule in Neheim

Unsere Berufsschule wurde als Kaufmännische Fortbildungsschule gegründet - sie hieß zuerst irrtümlicherweise "Handelsschule".

Die Gründung dieser Schule war eine recht komplizierte Angelegenheit, denn es gab noch keine Berufsschulpflicht im heutigen Sinne und die Kosten mußten von der Stadt Neheim getragen werden.

Zuerst war es erforderlich, daß die Stadt Neheim einen Gemeindebeschluß (1899) faßte und damit die Kosten übernahm. Dann mußte ein Ortsstatut (1899) aufgestellt werden, in dem der Schulbesuch geregelt wurde. Außerdem wurde ein Curatorium (1900) mit den "Fabrikbesitzern Egon Cosack, A. Braun und den Kaufleuten Georg Schönekatte und Friedrich Kückenhoff" gebildet, das eine gewisse Aufsichtsfunktion besaß.

Am 10. Mai 1900 wurde dann die Schule mit 53 Schülern eröffnet. Hauptlehrer (ab 1906 Rektor) Eberhard Hilger von der Ringschule (siehe Heimatblätter des Heimatbundes Neheim, Nr. 2, 1992: Schulen an Möhne, Ruhr und Röhr, S. 29) übernahm die Leitung der kaufmännischen Fortbildungsschule. Er und Lehrer Schönfelder unterrichteten in der Ringschule (= Rote Schule Neheim) abends von 18 - 20 Uhr. Für den Unterricht mußten die Schüler 10 Mark/Jahr Schulgeld zahlen.

Die Fächer:

Buchführung
Deutsch
Wechselkunde
Korrespondenz
Stenographie
Rechnen

Die Fortbildungsschule konnte gleich mit 2 Klassen (Unterstufe, Oberstufe) begonnen werden, weil sie schon vorher als private Fortbildungsschule (seit 1897 unter Hauptlehrer Hilger) bestanden hatte. Sie wurde von der Stadt Neheim übernommen, da immer mehr Kaufmannsgehilfen in den Büros und Geschäften ausgebildet wurden.

Die anfangs gewählte Bezeichnung "Städtische Handelsschule zu Neheim" mußte 1917 in "Städtische kaufmännische Fortbildungsschule zu Neheim" geändert werden. Grund dafür war ein Streit über die Befreiung von Schülern von der Fortbildungsschule, die eine "echte" Handelsschule in einer anderen Stadt besucht hatten.

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1928/1933

Gründung der Handelsschule in Neheim

Zur Gründung der Handelsschule liegt ein Protokoll vor, aus dem der Gründungsablauf und die Übernahme durch die Stadt Neheim hervorgehen.

"Der Magistrat der Stadt Neheim beschloß in seiner Sitzung am 9.8.1927 die Errichtung einer Städt. Handelsschule. Wegen der Einrichtung dieser Anstalt hielt Herr Dipl.-Hdl. Bischoping in der Magistratssitzung am 22.11.1927 hierüber ein ausführliches Referat. Durch Magistratsbeschluß vom 3.1.1928 wurde der Stadtverordnetenversammlung die Einrichtung der Handelsschule ab 1.4.1928 zur Genehmigung empfohlen.

Das Schulgebäude in der Friedensstr.Nach Genehmigung durch die Stadtverordnetenversammlung am 12.1.1928 und den Herrn Reg.-Präs. vom 9.3.1928 kam dann zu Ostern 1928 zunächst der einjährige Handelsschulkursus zustande, der auf Forderung der Regierung aber schon Ostern 1929 zu 2-jährigen Kursen ausgebaut wurde. Zur Inventarbeschaffung wurden 1500,00 RM durch Stadtverordnetenbeschluß vorschußweise bewilligt. Die Leitung der Kurse übernahm Herr Bischoping. Er hatte auch die finanzielle Seite selbst - privat - zu regeln. Das Schulgeld betrug 180,00 RM/Jahr. In Übereinstimmung mit Herrn Bischoping erhielt die Schule den Namen "Städt. Handelsschule", obwohl sie eine reine Privatschule des Herrn Bischoping war.

Durch Magistratsbeschluß vom 10.7.1933 wurde die Städt. Handelsschule in das Eigentum der Stadt Neheim übernommen. Träger der Schule wurde somit die Stadt Neheim. Die Leitung behielt Herr Bischoping auf Grund vertraglicher Abmachungen.

Der Preuß. Minister f. Wirtschaft und Arbeit genehmigte unter dem 14.11.1933 die Errichtung als öffentliche Handelsschule."

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1936

Gründung des Zweckverbandes
Neheim-Hüsten-Sundern

Neben der Kaufmännischen Berufsschule (bis 1923 Fortbildungsschule) und der Handelsschule hatte die Stadt Neheim auch noch die Gewerbliche Berufsschule und die Haushaltungsschule zu finanzieren. Außerdem gab es inzwischen auch Berufsschulen in den (früheren) Ämtern Hüsten und Sundern.

Villa Bremer ab 1949In allen Schulen erfolgte die Klassenbildung nach der Anzahl der Schüler und nicht nach Berufen. In der Kaufmännischen Berufsschule gab es z. B. nur die Klassen Kontorberufe und Einzelhandel. Um eine bessere Differenzierung nach Berufen vornehmen zu können, wurden 1936 alle Berufs- und Berufsfachschulen (Stadt Neheim, Ämter Hüsten und Sundern) im Zweckverband NEHEIM-HÜSTEN-SUNDERN zusammengelegt. Die Leitung übernahm Herr Berufsschuldirektor Wübbecke aus Neheim. In diesem Zweckverband konnten dann nach und nach die Klassen nach Berufen gebildet werden - außerdem war der Einsatz der Lehrer nicht mehr nur auf einen Ort beschränkt.

Durch die steigende Zahl der Schülerinnen und Schüler nach dem 2. Weltkrieg wurde der Kostendruck für den Schulträger immer größer. Als in Nordrhein-Westfalen ein neues Schulverwaltungs- und Schulfinanzierungsgesetz in Kraft trat, das die Frage der Trägerschaft und der Kostenverteilung neu regelte, wurde der Zweckverband im Jahre 1959 aufgelöst. Ab 1.10.1959 übernahm der damalige Kreis Arnsberg dann die Schulen des Zweckverbandes als "Kreisberufsschule des Landkreises Arnsberg Westfalen".

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1953

Gründung der Höheren Handelsschule
in NEHEIM

Der folgende Auszug aus der Westfalenpost vom 19.2.1953 über die Gründung der Höheren Handelsschule zeigt, wie wichtig diese Schule für die hiesige Gegend angesehen wurde.

"Neheim-Hüsten. Die Doppelstadt bekommt eine höhere Handelsschule! Auf Betreiben des Berufschulzweckverbandes, in dessen Händen die wesentlichen Vorarbeiten zur Errichtung der Schule liegen, wird in der Villa B r e m e r zum 1. April - also mit Beginn des neuen Schuljahres - diese Schule die Pforten öffnen. Gegenwärtig bestehen höhere Handelsschulen in der Umgebung nur in Hagen, Hamm und Dortmund (Siegen und Kassel ebenfalls, d. Verfasser). Die Tatsache, daß in Neheim-Hüsten eine gleiche Fortbildungsstätte geschaffen wird, ist damit nicht nur für den engeren Raum der Doppelstadt, sondern für das ganze obere Sauerland und die angrenzenden Gebiete der Kreise

Iserlohn, Soest und Unna bedeutungsvoll. Diese genannten Kreise verfügen über eine Einwohnerzahl von fast einer halben Million Menschen. Organisatorisch soll die höhere Handelsschule eng an die bereits bestehende Handelsschule und die kaufmännische Abteilung der Berufsschule angegliedert werden."

Baracke im Bremers Park ab 1954Die erste Klasse der HHS wurde mit 35 Schülerinnen und Schülern eröffnet. "Voraussetzung für die Aufnahme war die Versetzung nach Obersekunda (heute Klasse 11) einer höheren Schule oder das Abschlußzeugnis einer Real- bzw. Mittelschule. Mit besonderer Genehmigung können Personen, die den Nachweis einer gleichwertigen Vorbildung erbringen, aufgenommen werden. Das Schulgeld beträgt jährlich DM 270,00, dazu kommen eine Aufnahmegebühr von DM 5,00 und eine Schreibmaschinengebühr von DM 1,00 im Monat." (Im Schuljahr 1958/59 wurde die Schulgeldfreiheit in der HHS und HS eingeführt. D. Verf.)

Es wurde in folgenden Fächern unterrichtet:

Betriebswirtschaftslehre mit Wirtschaftsrecht
Volkswirtschaftslehre mit Staatsbürgerkunde
Kaufmännisches Rechnen und Kalkulationslehre
Buchführung und Steuerrecht, Kaufmännischer Schriftverkehr
Religion
Deutsch, Englisch, Französisch
Wirtschaftsgeographie, Technologie und Warenkunde
Kurzschrift, Maschinenschreiben, Kontorübungen
Hauswirtschaft
Leibesübungen

Dazu kommen Betriebsbesichtigungen

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1956

Die Kaufmännischen
Berufs- und Berufsfachschulen
werden selbständig

Gerade am Anfang der 50er Jahre stieg die Zahl der Schülerinnen und Schüler im Zweckverband Neheim-Hüsten-Sundern. Der Wiederaufbau nach dem 2. Weltkrieg war in vollem Gange und die Wirtschaft benötigte immer mehr qualifizierte Arbeitnehmer. Besuchten 1950 ca. 2000 Schülerinnen und Schüler die Schulen des Zweckverbandes, so stieg diese Zahl bis 1955 auf 3241.

Pavillion Bremers Park ab 1959Wegen der Vielseitigkeit und der besonderen Schwierigkeiten in der Verwaltung des gesamten Schulbetriebes war schon seit Jahren an eine Aufteilung gedacht worden. Bereits am 14.9.1955 wurde Herr Dipl.-Hdl. Walter Lange aus Lingen/Ems zum Direktor der Kaufmännischen Abteilung des Zweckverbandes gewählt. Ab 1.4.1956 übernahm er dann die Leitung der "Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschulen des Zweckverbandes Neheim-Hüsten-Sundern" - damit wurde die Schule selbständig. Schulträger blieb weiterhin der Zweckverband bzw. die Stadt Neheim-Hüsten.

Mit der Auflösung des Zweckverbandes 1959 wurde der Name der Schule in "Kaufmännische Berufs- und Berufsfachschulen des Landkreises Arnsberg (Westfalen)" geändert. Der neue Schulträger - der Landkreis Arnsberg - begann sofort, die bestehende Schulraummisere der Schulen zu beheben, indem neue Schulgebäude errichtet wurden. 1963 wurden die neuen Schulgebäude am Berliner Platz in Hüsten bezogen; bei der Einweihung im November 1963 war sogar das Westdeutsche Fernsehen anwesend.

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1980

Die Höhere Berufsfachschule mit gymnasialer Oberstufe
 -
Schwerpunkt Wirtschaft und Verwaltung

Beginn der Gymnasialbildung an unserer Schule. Ab Schuljahr 1980/1981 wurden die besten Schüler der Klassen 11 unserer Höheren Handelsschule bis zur Klasse 13 mit Abitur weitergeführt, so daß 1982 die ersten Abiturienten entlassen werden konnten. Durch KM-Erlaß wurde ab 1986 ab Klasse 11 die gymnasiale Oberstufe – wie sie in den Gymnasien besteht – eingeführt und die Schüler in Grund- und Leistungskursen auf Abitur und Studium vorbereitet.

Im Gegensatz zur Oberstufe des Gymnasiums bietet der gymnasiale Bildungsgang mit der Berufsorientierung in den allgemeinbildenden Fächern und den klassischen betriebswirtschaftlichen Fächern "Volkswirtschaftslehre" und "Betriebswirtschaftslehre mit Rechnungswesen" einen praxisnahen Bezug. Mit dem Bestehen der Abiturprüfung erwerben die Schülerinnen und Schüler die allgemeine Hochschulreife, die zum Studium aller Fachrichtungen an allen Universitäten und Hochschulen berechtigt.

Obwohl die praxisbezogene Ausrichtung der Fächer in vielen Fällen zu einem Studium der Wirtschaftswissenschafen o. ä. Studiengänge führt, wählten die Abiturientinnen und Abiturienten in den vergangenen Jahren auch andere Studiegänge, z. B. Medizin, Sprachen, Religion usw.

Die praxisbezogene Ausrichtung der Fächer bietet den Abiturientinnen und Abiturienten aber auch die Möglichkeit, eine Ausbildung in einem kaufmännisch-verwaltenden Beruf zu beginnen und damit sofort in die Arbeitswelt einzutreten.

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1990

Gründung der Fachschule für Wirtschaft

Als 1990 das 1. Semester der Fachschule für Wirtschaft mit 47 Schülerinnen und Schülern begann, wurde ein neuer Zweig im beruflichen Schulwesen begonnen. Gab es bisher die berufsvorbereitenden Schulen (HS, HHS) und die berufsbegleitende Schule (Kfm. Berufsschule), so wurde mit der Fachschule für Wirtschaft eine auf eine Berufstätigkeit aufbauende weiterführende Schule eröffnet.

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1994

Die Klassen der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie

In diesen Klassen werden die Studenten der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie während ihres Studiums in 1 ½ Jahren auf die Kaufmannsgehilfenprüfung vorbereitet.

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1998

Berufskolleg

für
Wirtschaft und Verwaltung des HSK in Arnsberg

Am 1. August 1998 trat das Gesetz zur Änderung des Schulverwaltungsgesetzes (Berufskolleggesetz) vom 25.11.1997 in Kraft. Aus diesem Grunde mußte der Name der Schule in "Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung des HSK in Arnsberg" geändert werden.

Im Berufskolleg werden die versuchsweise geführten Kollegschulen und das Regelschulsystem der berufsbildenden Schulen zusammengeführt. Damit werden folgende Vorschriften (auszugsweise) durchgeführt:

  1. Das Berufskolleg umfaßt die Bildungsgänge der Berufsschule, der Berufsfachschule, der Fachoberschule und der Fachschule. Die Bildungsgänge der Berufsschule bereiten zusammen mit dem Lernort Betrieb auf Berufsabschlüsse nach dem Berufsbildungsgesetz und der Handwerksordnung vor.
  2. Das Berufskolleg vermittelt in einem differenzierten Unterrichtssystem in einfach- und doppeltqualifizierenden Bildungsgängen eine berufliche Qualifizierung (berufliche Kenntnisse, berufliche Grund- und Fachbildung, berufliche Weiterbildung und Berufsabschlüsse). Es ermöglicht den Erwerb der allgemeinbildenden Abschlüsse der Sekundarstufe II; die Abschlüsse der Sekundarstufe I können nachgeholt werden.
  3. Die Bildungsgänge des Berufskollegs sind nach Berufsfeldern, Fachrichtungen und fachlichen Schwerpunkten gegliedert. Der Unterricht in den Bildungsgängen ist in Lernbereiche eingeteilt. Er findet in Fachklassen, im Klassenverband und in Kursen statt.
  4. Die Berufsschule umfaßt folgende Bildungsgänge:
  5. Fachklassen des dualen Systems der Berufsausbildung für Schülerinnen und Schüler in einem Berufsausbildungsverhältnis.
    Einjährige vollzeitschulische Vorklassen zum Berufsgrundschuljahr.
    Einjährige vollzeitschulische Berufsgrundschuljahre.
    Teilzeitschulische Klassen für Schülerinnen und Schüler ohne Berufsausbildungsverhältnis.

Dieser Beitrag wird fortgesetzt.

Geschichtliche Entwicklung

der Berufs- und Berufsfachschulen des Landkreises Arnsberg in Neheim-Hüsten

Berufsschuldirektor i. R. Wübbecke

Die während des 19. Jahrhunderts in der Stadt Neheim beginnende Industrialisierung brachte neben einem Aufblühen des Wirtschaftslebens gleichzeitig auch eine Steigerung der kulturellen Bedürfnisse mit sich. Besonders zeigt sich dies in der Entwicklung des Schul- und Bildungswesens. So begegnen wir hier den ersten Anfängen des heutigen Berufsschulwesens bereits um die Mitte des vorigen Jahrhunderts. Auf Grund einer Zirkularverfügung der Königlichen Regierung Arnsberg vom 15. Juni 1844 wurde im November diese Jahres eine "Sonntagsschule" gegründet.

Der Unterricht wurde mit Zustimmung des Magistrats von 3 Volksschullehrern erteilt und erstreckte sich auf die Unterrichtsfächer Schönschreiben, Stilübungen sowie Kopf- und Staffelrechnen.

Die Schule wurde von 49 „Zöglingen" besucht. Einem Bericht des Magistrats vom 26. Juni 1845 an die Königliche Hochlöbliche Regierung, Abteilung des Innern, zufolge ging jedoch die Schule - der Besuch war freiwillig - schon nach einigen Monaten wieder ein. Am 9. Dezember 1853 richteten sodann 17 Handwerksmeister an den Gemeinderat der Stadt Neheim ein Gesuch mit der dringenden Bitte um die Einrichtung einer Sonntagsschule. Die Handwerker beriefen sich dabei auf die neue Gewerbeordnung vom Jahre 1849, derzufolge von den Handwerkslehrlingen eine Gesellenprüfung und von den Gesellen eine Meisterprüfung „durchaus" verlangt würde. Man erwähnt die mangelhaften theoretischen Kenntnisse der meisten jungen Leute, die vor einer Prüfungskommission erscheinen.

Der größte Teil der Städte Preußens sei von der Notwendigkeit der Errichtung einer Sonntagsschule überzeugt, und es müßten daher jetzt auch in Neheim weitere Schritte unternommen werden. Nach mehrfachen Verhandlungen wurde dann am 9. Juli 1854 die Neheimer Sonntagsschule erneut eröffnet. Auffallend ist dabei, daß auch schon ungelernte Jugendliche eingeschult wurden. Manche von ihnen aber bereiteten ihren Lehrern derartige Schwierigkeiten - und das zu einer Zeit, als den Schulen noch sehr viel wirksamere Mittel zur Aufrechterhaltung von Ordnung und Disziplin zur Verfügung standen als heute - , daß von ihnen die Wiederausschulung beim Magistrat beantragt wurde. Ein am 24. Mai 1876 von dem Magistrat der Stadt Neheim an den Landrat Frhr. v. Lilien gerichtetes Schreiben besagt, daß die hiesige „Handwerkerfortbildungsschule" bis zum 1. November 1869 bestanden hat.

Auf die Dauer fand sich die Bevölkerung nicht damit ab, daß der Unterricht nur sonntags abgehalten wurde, weshalb dieser Tag allmählich ganz abgelehnt wurde. Andererseits bereitete die bei der späteren Wiedereröffnung eingeführte neue Unterrichtszeit an den Werktagen von 19.00 bis 21.00 Uhr noch größeren Verdruß, da viele Lehrlinge ohnehin bis 19.00 Uhr in den Betrieben tätig waren und dann infolge Übermüdung überhaupt nicht mehr dem Unterricht zu folgen vermochten. Welche Anforderungen in dieser Hinsicht damals an die Jugendlichen gestellt wurden, geht auch aus der Tatsache hervor, daß im Jahre 1901 an einem Samstagabend, noch nach 19.00 Uhr, eine Unterrichtsbesichtigung durch Prof. Dr. Kneebusch stattfand.

Erst als das die Handwerkerfortbildungsschule betreffende Ortsstatut vom 10. März 1887 durch ein vom 23. Dezember 1891 datiertes neues Ortsstatut abgelöst wurde, trat eine gewisse Besserung der Verhältnisse ein. Die Schulstunden wurden für das Sommer- und Wintersemester getrennt festgelegt. Im Sommer fand der Unterricht montags von 18.00 bis 20.00 Uhr und mittwochs von 15.30 bis 19.30 Uhr statt. Während der Wintermonate lagen die Unterrichtszeiten montags von 18.00 bis 20.00 Uhr und mittwochs von 13.00 bis 17.00 Uhr. In jedem der 3 Unterrichtsfächer Deutsch, Rechnen und Zeichnen wurde die Unterrichtszeit auf wöchentlich 2 Stunden festgesetzt. Aus den Lehrplänen ist zu ersehen, daß man auch bemüht war, den Belangen der Praxis mehr als bisher Rechnung zu tragen.

Entwicklung von 1960 bis 1974

Die am 1. Oktober 1959 vom Kreis Arnsberg übernommenen berufsbildenden Schulen haben im Berichtszeitraum Neubauten in Neheim-Hüsten und Arnsberg erhalten.

Die Arbeiten für die Schulneubauten in Neheim-Hüsten wurden im Juli 1960 aufgenommen. Am 26. Oktober 1961 wurde Richtfest gefeiert. Die Einweihung erfolgte am 15. November 1963. Die Gesamtkosten einschließlich Einrichtung beliefen sich auf ca. 8 Mill. DM.

In den drei miteinander verbundenen Schulgebäuden sind 59 Klassenräume, 9 Übungsräume und 3 Werkräume untergebracht.

Im Anschluß an die Fertigstellung des Neheim-Hüstener Schulzentrums wurde auch in der Stadt Arnsberg im Februar 1964 mit den Bauarbeiten für ein neues Schulgebäude begonnen. Die Einweihung fand am 27. März 1968 statt. Die Gesamtbaukosten einschließlich Einrichtungskosten für 28 Klassenräume, 13 Übungsräume und 1 Werkraum beliefen sich auf 7,1 Mill. DM.

Im Jahre 1974 wurden die Technisch-gewerblichen Schulen in Neheim-Hüsten mit einem Kostenaufwand von 2,3 Mill. DM um 6 Klassenräume und 8 Fachräume erweitert.

Mit Wirkung vom 1. April 1967 ging die Schulträgerschaft für das Amt Warstein vom Zweckverband der Berufsschule des Amtes Warstein auf den Kreis Arnsberg über. Damit erhielten die Berufsbildenden Schulen des Kreises Arnsberg ihren dritten Schulort. Das im Jahre 1959 errichtete Schulgebäude in Warstein wurde vom Kreis Arnsberg für 1,1 Mill. DM erworben.

Seit dem 1. August 1971 ist der Kreis Arnsberg anstelle des Amtes Balve Mitglied im Schulverband für berufsbildende Schulen Menden - Hemer - Balve. Damit verwaltet der Kreis das gesamte berufsbildende Schulwesen seines Bereiches.

Am Tage der Übernahme der Trägerschaft für das berufsbildende Schulwesen bestanden folgende Schulformen und Schultypen:

Berufsschule kaufmännischer, gewerblicher und hauswirtschaftlicher Richtung,
Handelsschule,
Höhere Handelsschule,
Haushaltungsschule (Hauswirtschaftl. Berufsfachschule).

Die berufsbildenden Schulen sind nach Übernahme durch den Kreis im Jahre 1959 um eine Reihe von Schulformen bzw. Schultypen erweitert worden.

Es sind im Berichtszeitraum errichtet worden:

1962: Berufsaufbauschule gewerblicher Fachrichtung (seit dem 1. August 1970 ausgelaufen)
1964: Berufsaufbauschule kaufmännischer Richtung - Teilzeitschule - (seit dem 1. August 1970 ausgelaufen) Zweiter Zug der Handelsschule Berufsfachschule für Kinderpflegerinnen
1966: Berufsfachschule B für ländliche Hauswirtschaft, (Hauswirtschaftliche Berufsfachschule) Gewerbeschule Frauenfachschule (Einjährige Berufsfachschule für Schülerinnen mit Fachoberschulreife) Gewerbliche Berufsaufbauschule - Vollzeitschule (Seit dem 1. August 1970 ausgelaufen)
1967: Zweiter Zug der Höheren Handelsschule Handelsschule in Warstein
1968: Berufsaufbauschule hauswirtschaftlicher, pflegerischer und sozialpädagogischer Fachrichtung (seit dem 1. August 1971 ausgelaufen) 1969: Fachoberschulen für Technik, Wirtschaft sowie Hauswirtschaft und Sozialpädagogik Fachschule für Sozialpädagogik Lehranstalt für Pharmazeutisch-technische Assistenten
1971: Fachschule für Hauswirtschaft
1972: Einführung des Blockunterrichtes für das Elektrogewerbe
1973: Berufsgrundschuljahr im Berufsfeld „Maschinentechnik/Elektrotechnik" Einführung des Blockunterrichtes für die Berufe Frisör, Gärtner und Bürokaufmann.
1974: Berufsgrundschuljahr im Berufsfeld „Ernährungs- und Hauswirtschaft"

Gemeinsame Einrichtungen

In fruchtbarer kommunaler Zusammenarbeit mit der Stadt Arnsberg entstand im 1968 eine gemeinsame Aula mit Theatercharakter für die beruflichen Schulen des Kreises Arnsberg und die Städt. Realschule, die unter dem Namen "Sauerlandtheater" über die Grenzen des Kreises hinaus bekanntgeworden ist. Der Kreis hat sich an den Ko-sten der Aula, die übrigens 600 Sitzplätze hat, mit rd. 700.000,00 DM beteiligt.

In Neheim-Hüsten soll im Schulzentrum Berliner Platz ein Kultur-, Bildungs- und Jugendzentrum errichtet werden. Dieses Zentrum besteht aus einer dreifach teilbaren Aula mit 600 Plätzen für die im Schulzentrum vertretenen Schulen sowie Fach-, Kommunikations-, Jugend- und Freizeiträumen. Es bietet somit vielfältige Möglich-keiten der Nutzung durch Schulen, Jugendverbände und Volkshochschule. Es ist eine Beteiligung des Kreises Arnsberg an der Finanzierung in Höhe von rd. 3.000.000,00DM vorgesehen.

Weitere Daten

1. Oktober 1959: Übernahme des früheren Berufs- und Berufsfachschul-Zweckverbandes Neheim-Hüsten - Hüsten - Sundern durch den Landkreis Arnsberg.
22. Januar 1960: Der Kreistag stimmte dem vom Kreishochbauamt aufgestellten Vorentwurf für die in Neheim-Hüsten zu errichtenden Berufsfachschulgebäude zu. Die Verwaltung wurde beauftragt, die Planungsarbeiten ohne Verzögerung fortzusetzen.
17. April 1960: Der Vorentwurf des Hochbauamtes wird schulaufsichtsbehördlich genehmigt. Die Ausarbeitung des endgültigen Entwurfs und die Ausführung wurden fortgesetzt.
14. Juli 1960: Probebohrungen zur Erkundung der Boden- und Grundwasserverhältnisse. Auf Grund dieser Untersuchungen wurde die endgültige Gründungsart für die Gebäude bestimmt.
27. Juli 1960: Der Mutterboden wird vom Schulgrundstück abgetragen und sichergestellt.
6. August 1960: Erstellung einer Baustraße. 18. Oktober 1960 Beginn der Rohbauarbeiten für die Gewerbliche Berufsschule.
19. Oktober 1960: Beginn der Rohbauarbeiten für die hauswirtschaftliche, gewerbliche, landwirtschaftliche und gartenbauliche Berufsschule und hauswirtschaftliche Berufsfachschule
3. November 1960: Beginn der Rohbauarbeiten für die Kaufmännischen Berufs- und Berufsfachschulen.
26. Oktober 1961: Richtfeier für die erstellten drei neuen Berufsschulgebäude.
12. Juli 1963: Einzug in die neuen Berufs- und Berufsfachschulen.
15. November 1963: Einweihung.

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Letzte Seitenänderung am: 24. Oktober 2000. Jürgen Nölke